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Die Apokalypse  /  oder das Rechnen mit der Offenbarung des Johannes

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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weltuntergang.zip

 

 
 
 
 
 

 

 
 

 

 
 
 

Publikation über den Weltuntergang von Helmut Zander  /  www-editiert von Agnus D.  /  anno domini  2001

 

666

 

 

Jedem steht es frei, diese Zahl zu interpretieren!

  

Hier ist Weisheit! Wer Verstand hat, derjenige überlege die Zahl des Tieres; denn es ist die Zahl eines Menschen, und seine Zahl ist sechshundertsechsundsechzig." 

So ist in der Offenbarung 13,18 der Antichrist beschrieben. Und seitdem wird gerechnet. Wir ziehen eine Quersumme:

Johannes, jener Seher von Patmos, sowie Stephen Hawking, der Physiker aus London, sind sich einig: Unsere Welt geht unter. Natürlich liegen noch einige Details im Dunkeln, insbesondere wüssten wir gerne: Wann ist es denn soweit?

Johannes ist da im Grunde der Auskunftsfreudigere, beschreibt er doch im 13. Kapitel seiner Apokalypse, dem letzten Buch der Bibel, die ultimativen Zeichen des Endes. Aber weil er schon vor fast 2000 Jahren wusste, dass eben nichts so vergänglich ist wie das entschleierte Geheimnis, hatte er das Untergangsdatum gänzlich verschlüsselt und zudem alle Neugiernasen verpflichtet, "Weisheit" zu erlangen, bevor sie die folgende mathematische Fingerübung machen: "Hier ist Weisheit! Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tieres; denn es ist die Zahl eines Menschen, und seine Zahl ist sechshundertsechsundsechzig."

Die Lösung der Kopfnuss ist kinderleicht, wenn man nur weiß, dass die Buchstaben eine Zahlenbedeutung besitzen. Manche Leser werden dies von den römischen Zahlen kennen: I=1, V=5, X=10, L=50, C=100, D=500, M=1000. Nun braucht man nur noch das passende Wort und kann schon den Weltuntergang in den Terminkalender eintragen, schließlich muss man das Konto in Ordnung bringen und will nochmals in Ruhe beten.  

 

 

Der römische Vikar

 

 

Die Lösung lautet also: VICARIUS FILII DEI, Stellvertreter des Sohnes Gottes, wie der Papst sich nennt. In Vicarius haben wir V=5, 1=1, C=100, 1=1 und nochmals U=V=5, macht 112. In Filii kommen noch 53 Zähler hinzu (dreimal 1 und das L), und zusammen mit den 501 Punkten für D und 1 in Dei macht die Rechnung 666 Punkte: Der Papst ist der Antichrist und das Menetekel des Untergangs.

Zugegeben, man muss V und U in Vicarius gleichsetzen, aber das lässt das Lateinische ohne weiteres mit sich machen. Problematischer ist es, dass die Reihe der Päpste seit fast zwei Jahrtausenden - trotz Johannes, möchte man meinen - nicht aufhört und sich der päpstliche Antichrist für eine termingerechte Weltuntergangskalkulation nicht eignet.

Man muss nun in einem solchen Fall einfach die Regeln ändern: Wähle eine andere Sprache, die hebräische etwa. Auch hier werden Zahlen durch Buchstaben dargestellt. Dann ergibt sich aus Martin <30 + 1 + 80 + 100 + 1 -t- 40) und der hebräischen Schreibweise Luthera (20 + 200 + 100 + 8 + 5 + 80 + 1) unterm Strich: 666. Natürlich birgt die variable Besetzung der Buchstaben, die in der lateinischen Schrift als Vokale erscheinen, gewisse Unschärfen, aber mit denen kann man als findiger Philologe leben.

Die Nachricht des Johannes könnte dann lauten: Die Reformation ist der Untergang, und vereint mit dem Vicarius Filii Dei wäre der Weltuntergang dann ein großes ökumenisches Unternehmen. Aber Martin Luther ist tot, die Reformation lebt, und der Weltuntergang steht weiterhin aus.

In so einem Fall hilft eine zweite Zusatzregel: Wähle eine andere Verknüpfungslogik. Nimmt man beispielsweise den sechsten Buchstaben des hebräischen Alphabets "Waw", setzt ihn mit dem lateinischen W gleich und bringt diese Kombination in eine weitere Sprache, sagen wir, ins Englische, dann wird aus der Abkürzung World Wide Web (für das Internet) die Zahl 666. Man darf dann allerdings nicht, wie bislang, eine Summe ziehen, sondern muss die Zahlen nebeneinander stehen lassen, um die Untergangspotenz des World Wide Web zu erhalten. Hat man aber erst einmal das Berechnungssystem zur Disposition gestellt, eröffnen sich dann ungeahnte Möglichkeiten. Setzt man beispielsweise A=100, B=101 und so weiter und addiert die Buchstaben HITLER, erhält man, jawohl, 666.

Irgendwann stellt sich jedoch bei diesen kombinatorischen Bocksprüngen der Verdacht ein, dass man nur ausreichend fahrlässig Sprachen und Berechnungsmethoden mischen muss, um letztendlich genau das Weltuntergangsdatum zu erhalten, das man gerne hätte. Gegen die Heiligsprechung der Willkür zur Methode hilft eine kurze Rückbesinnung auf den wissenschaftlichen Befund.

Johannes hat ja nicht mit lateinischen Buchstaben, sondern mit griechischen geschrieben. Addiert man die Zahlenwerte des griechischen "kaisar theos" (Caesar Gott), sodann erhält man den Wert 666. Und greift man auf die hebräische Buchstabenarithmetik zurück, ergibt "neron qesar" (Nero Kaiser) ebenfalls die Summe 666. Ob sich aber damit der römische Kaiser Nero als das Geheimnis "des Tieres" dekodieren lässt, ist zwar auch nicht sicher, damit aber besitzen die Zusatzannahmen ein Fundament im biblischen Text und in der Welt der frühen Christen.

In diesem historischen Umfeld dürfte man wohl dem Geheimnis der Zahl 666 noch ein wenig näher kommen. Die Johannes-Apokalypse reagiert auf eine der ersten Verfolgungen der noch jungen Christenheit, vielleicht unter Nero (er regierte von 54 bis 68), wohl eher unter Domitian (81 bis 96), der Johannes ins Exil nach Patmos gezwungen haben soll. Die "Geheime Offenbarung" ist eine theologische Abrechnung mit Gottkaisern und allen Arten von Despoten, die als vermeintlich göttliche Herrscher die Religion als Konkurrenz begriffen und sich zu unterwerfen trachteten.  

 

 

Das Ende der Caesaren

 

 

Diesen Sturz widergöttlicher" Usurpatoren beschreibt die Apokalypse - aber nicht nur als historisches, sondern auch als kosmisches Finale. Die Grenzen der irdischen Macht werden zu Zeichen des Endes schlechthin. Das Ende der Cäsaren ruft in Erinnerung, dass alles, was Menschen sich vorstellen können, untergeht und im neuen Jerusalem - damit enden Johannes Visionen - nur noch transformiert, ins Gute gewendet überlebt.

Über den Zeitpunkt allerdings verliert Johannes kein Wort. Auch hierin ist er ein treuer Jünger Jesu, denn der sagte als Auferstandener zu seinen Aposteln: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat" (Apg 1,7). Doch so bildreich Johannes den Weg zum letzten Vorhang des Welttheaters beschreibt, so konsequent verweigert er den Eintrag in den Kalender. Aber vielleicht ist diese Verweigerung ja eine Lösung des großen Rätsels. Denn ungelöste Geheimnisse bieten Freiräume, wohingegen die Aufklärung des Rätsels das bislang Unbekannte fixieren würde.

Mit der Feststellung von Tag und Stunde ist die Geschichte determiniert, wird der Mensch zum Spielball der Weltlaufs, bestenfalls zum Zuschauer des Unabwendbaren. Vielleicht liegt hier der Sinn der Einübung in "Weisheit", die Johannes in der Eröffnung des Rätsels der Zahl forderte: zu realisieren, dass präzises Wissen um die Zukunft die Freiheit der Geschichte beendete. Um die Freiheit des Handelns wäre es geschehen, wenn die Bilder und Symbole des Endes in der Faktenhuberei der Kalenderblätterzähler untergingen.

 

 

 

 

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